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Startseite Wissen Börsen-Wissen

KGV – Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)?

Marc von Marc
30. August 2025
in Börsen-Wissen
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Viele Anleger greifen im Alltag zuerst zu wenigen, gut verständlichen Kennzahlen.

Das KGV gehört an der Börse zu den meistgenutzten Größen, weil es eine schnelle Einordnung erlaubt.

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Dieses kompakte Wissen hilft besonders Einsteigern, Aktienbewertungen in grobe Kategorien einzuordnen.

In Deutschland liegt noch immer viel Geld auf Konten, obwohl die Inflation die Kaufkraft mindert.

Nach Jahren mit niedrigen Zinsen suchen viele Haushalte Alternativen wie ETFs und Fonds.

Wer so den Kapitalmarkt erkundet, trifft früh auf das KGV – meist schon bei der ersten Erklärung zum Thema Aktienbewertung.

Dieser Beitrag liefert eine klare Definition und zeigt, was das KGV misst.

Er erklärt die Berechnung und ordnet Varianten wie historisches KGV, Forward-KGV und Shiller-KGV ein.

Er beleuchtet typische Denkfehler und zeigt, wo die Grenzen der Kennzahl liegen.

Der Fokus liegt auf belastbarer Rechenlogik, Vergleichbarkeit und konkreten Zahlen statt auf Schlagworten.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Das KGV ist eine Standardkennzahl an der Börse zur groben Bewertung von Aktien.
  • Die Definition basiert auf dem Verhältnis von Aktienkurs und Gewinn je Aktie.
  • Eine gute Erklärung des KGV braucht immer den Vergleich – etwa mit Branche oder Markt.
  • Varianten wie Forward-KGV und Shiller-KGV liefern unterschiedliche Perspektiven auf Gewinne.
  • Wissen über Grenzen schützt vor Fehlinterpretationen, etwa bei Sondereffekten im Gewinn.
  • Das KGV ist ein Startpunkt, ersetzt aber keine vollständige Fundamentalanalyse.

Definition und Erklärung: Was das Kurs-Gewinn-Verhältnis an der Börse misst

An der Börse hilft das KGV, den Aktienkurs schnell zum Gewinn in Verhältnis zu setzen. Obwohl es einfach erscheint, wird das KGV oft falsch verstanden. Entscheidend für die richtige Interpretation sind der Kontext, das Geschäftsmodell und die Erwartungen.

In hektischen Marktphasen tauchen P/E, PER und KGV häufig in News, Charts sowie Analysten-Notizen auf. Wer die Hintergründe kennt, kann Bewertungen besser einordnen. Das vermeidet, sich in Details zu verlieren.

Begriffsklärung: KGV, Price-to-Earnings-Ratio (P/E, PER) und Einordnung in die Fundamentalanalyse

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis heißt international Price-to-Earnings-Ratio. In Börsenübersichten werden dafür meist P/E oder PER verwendet. Alle drei Bezeichnungen beschreiben dieselbe Kennzahl: den Kurs zum Gewinn je Aktie.

Das KGV wird in der Fundamentalanalyse selten alleine betrachtet. Häufig nutzt man es zusammen mit Dividendenrendite, KBV, KUV und KCV. Jede Kennzahl setzt den Kurs zu einer anderen Unternehmensgröße ins Verhältnis.

Was das KGV aussagt: „Wie oft“ der Gewinn je Aktie im Aktienkurs steckt und die Jahre-Logik bei konstantem Gewinn

Das KGV zeigt, wie oft der aktuelle Jahresgewinn je Aktie im Kurs enthalten ist. Bei konstantem Gewinn entspricht das der Anzahl von Jahren, bis der Gewinn den heutigen Preis deckt.

Wichtig ist der Denkfehler: Das KGV ist keine Vorhersage. Es beschreibt die Bewertung im Jetzt, während künftige Gewinne ungewiss bleiben.

Wofür Anleger die Kennzahl nutzen: Vergleich einzelner Aktien, Branchen und des Gesamtmarkts

Anleger verwenden das PER hauptsächlich zum Vergleich. Dazu gehören Aktien gegen Peer-Groups, Branchen untereinander und Märkte im historischen Vergleich.

So wird sichtbar, ob ein Kurs über oder unter dem Marktüblichen liegt. Ein P/E ist aber erst dann aussagekräftig, wenn Wachstum, Margen und Risiken berücksichtigt werden.

Kontext Deutschland und Österreich: Warum die Kennzahl im Börse-Wissen so häufig auftaucht

In Deutschland und Österreich zählt das KGV zum Standardwortschatz der Börse. Es lässt sich leicht kommunizieren und wird in Kurslisten sowie auf Unternehmensseiten neben Kurs, Dividende und Gewinn je Aktie angezeigt.

Diese Zahl bietet sofort einen Anker. Ohne Vergleich ersetzt sie jedoch keine vollständige Einordnung.

Begriff Schreibweise im Markt Messidee Typische Anwendung
KGV Kurs-Gewinn-Verhältnis Kurs im Verhältnis zum Gewinn je Aktie Vergleich einzelner Aktien innerhalb einer Peer-Group
Price-to-Earnings-Ratio P/E Gleiche Kennzahl, internationaler Begriff Vergleich über Länder und Berichtsformate hinweg
PER PER Alternative Abkürzung für P/E Kurze Darstellung in Kurslisten und Research-Notizen

KGV berechnen und richtig interpretieren: Formel, Beispiele und Varianten

Für die Bewertung einer Aktie reicht ein Blick auf den Kurs nicht aus. Erst die Kombination mit dem Gewinn erklärt, warum ein Papier teuer oder günstig wirkt. Diese Definition ist einfach. In der Praxis ist jedoch das Wissen über die Daten entscheidend, die in die Rechnung einfließen.

Wichtig ist dabei: Das KGV liefert keine exakte Wahrheit, sondern einen klaren Vergleichsmaßstab. Wer sauber rechnet, erkennt schneller, ob die Kennzahl zur Story eines Unternehmens passt.

Grundformel: Aktienkurs geteilt durch Gewinn je Aktie (EPS) – was genau in den Gewinn gehört

Die Grundformel lautet: KGV = Aktienkurs / EPS. Das EPS (Earnings per Share) ergibt sich aus dem Jahresüberschuss, geteilt durch die Anzahl der ausstehenden Aktien. In Berichten tauchen häufig verschiedene Gewinnbegriffe auf, wie EBIT oder bereinigte Ergebnisse.

Für eine saubere Definition empfiehlt sich ein Gewinn je Aktie nach Zinsen und Steuern. Dabei sollten Effekte ohne Bezug zum Kerngeschäft ausgeschlossen werden. Genau hier entscheidet sich, ob ein fairer Vergleich zwischen Unternehmen möglich ist.

Rechenbeispiel mit Kurs und EPS: Wie aus 50 € Kurs und 4 € Gewinn je Aktie ein KGV von 12,5 wird

Ein Beispiel macht die Erklärung greifbar: Steht eine Aktie bei 50 Euro und das EPS beträgt 4 Euro, ergibt sich ein KGV von 12,5. Rechnerisch steckt der Jahresgewinn also 12,5-mal im Kurs.

Gedanklich entsteht daraus oft eine „Jahre-Logik“: Bei konstantem Gewinn entspricht das rund 12,5 Jahren, bis die Gewinne je Aktie 50 Euro erreichen. Diese Sicht erleichtert die Einordnung, ersetzt aber keine Prognose.

Historisches KGV vs. prognostiziertes KGV (Forward-KGV/KGVe): Unterschiede in Aussage und Datenbasis

Das historische KGV verwendet abgeschlossene Zahlen, also den zuletzt berichteten Gewinn. Das Forward-KGV nutzt erwartete Gewinne für das laufende oder kommende Jahr und wird oft mit „e“ gekennzeichnet. So verschiebt sich der Fokus von Vergangenheit zu Markterwartung.

Steigt das erwartete EPS bei unverändertem Kurs, sinkt automatisch das Forward-KGV. Die Kennzahl zeigt somit weniger „was war“, sondern mehr „was der Markt glaubt“.

Alternative Berechnung über Marktkapitalisierung und Gesamtgewinn: Wann das in der Praxis hilft

Das KGV lässt sich auch auf Unternehmensebene berechnen: Marktkapitalisierung geteilt durch Gesamtgewinn. Diese Methode ist nützlich, wenn Branchen oder Indizes mit aggregierten Daten verglichen werden. Auch bei Kapitalmaßnahmen ergänzt diese Sicht die Bewertung.

Shiller-KGV (CAPE): Inflationsbereinigter Zehnjahresdurchschnitt zur Glättung schwankender Gewinne

Das Shiller-KGV (CAPE) nutzt einen inflationsbereinigten Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Dadurch werden extreme Gewinnspitzen und Einbrüche geglättet. Es bietet weniger Momentaufnahme, sondern mehr Konjunkturfilter.

Im Marktkommentar wird das CAPE oft genutzt, um Bewertungsniveaus über lange Zeiträume zu vergleichen. Für Anleger ist das vor allem dann interessant, wenn Gewinne stark schwanken.

Gewinnrendite als Kehrwert: Was 1/KGV über die „Rendite“-Sicht auf den Gewinn verrät

Die Gewinnrendite ist der Kehrwert: 1/KGV. Sie entspricht etwa EPS geteilt durch Kurs und liest sich als Gewinn-Ertrag pro investiertem Euro. Das erleichtert den Vergleich mit Zinsen, ohne das Risiko einer Aktie auszublenden.

Kennzahl Formel (Kurzform) Datenbasis Typischer Nutzen Häufige Stolperstelle
KGV (historisch) Kurs / EPS Vergangenheitsgewinn (Geschäftsjahr) Vergleich innerhalb einer Branche EPS durch Sondereffekte verzerrt
Forward-KGV Kurs / erwartetes EPS Schätzungen für das nächste Jahr Abgleich von Bewertung und Wachstumserwartung Prognosen ändern sich schnell
Markt-KGV Marktkap. / Gesamtgewinn Aggregierte Unternehmensdaten Analyse von Sektoren und Indizes Uneinheitliche Gewinnabgrenzung
Shiller-KGV (CAPE) Kurs / Ø Realgewinn (10J) Inflationsbereinigte Zehnjahresgewinne Langfristige Bewertungsvergleiche Strukturbrüche in Geschäftsmodellen
Gewinnrendite 1 / KGV Abgeleitet aus Kurs und EPS „Rendite“-Blick auf den Gewinn Keine Aussage zur Ausschüttung

Was ein hohes oder niedriges KGV wirklich bedeutet: Vergleich, Branche und Grenzen

An der Börse wirkt das KGV oft wie ein Schnelltest. Ohne Kontext bleibt das Ergebnis jedoch unscharf. Für belastbares Wissen sind Unternehmen, Marktphase und Erwartungen entscheidend.

In Deutschland und Österreich hilft vor allem der Branchenvergleich. Erst dann lässt sich „teuer“ oder „günstig“ prüfbar unterscheiden. Auch die erwartete Gewinnentwicklung muss man berücksichtigen.

Warum „günstig“ oder „teuer“ ohne Vergleich wenig taugt

Ein einzelnes KGV sagt wenig, weil Geschäftsmodelle und Risiken stark unterschiedlich sind. Profis schauen daher auf Peer-Groups mit ähnlichen Firmen, Margen und Kapitalstruktur.

Das eigene KGV wird zusätzlich mit dem Sektordurchschnitt verglichen. Wachstumssektoren weisen oft höhere Multiplikatoren auf. Reifere Bereiche liegen meist darunter.

Dieser Branchenvergleich verhindert, dass reine Zahlenlogik die Realität überdeckt.

Niedriges KGV als Chance oder Warnsignal

Ein niedriges KGV kann auf eine Unterbewertung hindeuten. Dann setzt der Markt den Gewinn sehr konservativ an, obwohl das Geschäft stabil bleibt. Langfristige Anleger finden das interessant.

Es kann aber auch ein Warnsignal sein. Sinkende Gewinne, Marktsättigung oder strukturelle Probleme drücken den Kurs. Sauberes Börsenwissen prüft daher Auftragslage, Preisdruck und Wettbewerbsposition.

Hohes KGV bei Wachstumstiteln

Ein hohes KGV ist oft der Preis für erwartetes Wachstum. Der Markt zahlt heute für Gewinne von morgen. Kommt das Wachstum nicht, drohen schnelle Neubewertungen.

Auch die Stimmung beeinflusst: In starken Phasen steigen Multiples, in schwachen fallen sie. Diese Schwankungen sind Teil des Risikos.

Wenn Gewinne fehlen oder verzerrt sind

Bei Verlusten wird das KGV negativ oder unbrauchbar. Analysten weichen dann oft auf cashflow-nahe Größen wie das KCV aus. Sondereffekte verzerren das Bild ebenfalls, beispielsweise Einmalaufwendungen oder Verkauf von Sparten.

Bilanzspielräume durch Rückstellungen, Abschreibungen und Bewertungsansätze verändern den Gewinn. Deshalb lohnt ein Blick auf die Qualität der Erträge, nicht nur auf die Zahl.

Was das KGV nicht abbildet

Das KGV zeigt nicht die Höhe der Schulden oder die Stabilität der Bilanz. Für ein vollständigeres Bild nutzt man weitere Kennzahlen: KBV für Substanz, KUV bei niedrigen Gewinnen und KCV für Geldflüsse.

So entsteht ein stabileres und realistisches Bewertungsbild.

Zinsumfeld und Bewertung

Leitzinsen sind ein Taktgeber für Bewertungen. Steigende Zinsen erhöhen die Renditeansprüche, wodurch KGV-Niveaus tendenziell sinken. Sinkende Zinsen bewirken oft das Gegenteil.

Dieser Renditevergleich ist ein Kernstück der Bewertungslogik an der Börse. In Deutschland wird das oft am DAX diskutiert, in Österreich am ATX. Die Mechanik bleibt ähnlich.

Einordnung Was das KGV hier meist ausdrückt Typische Prüf-Fragen für Anleger Ergänzende Kennzahlen für den Branchenvergleich
Niedriges KGV bei stabilen Geschäftsmodellen Markt rechnet mit wenig Wachstum oder bewertet Risiken hoch Sind Margen und Nachfrage stabil? Gibt es Preisdruck oder Regulierung? KBV zur Substanz, KCV zur Ertragsqualität
Niedriges KGV nach Gewinnspitze Vergangenheit wirkt besser als Zukunft, Gewinne könnten fallen War der Gewinn zyklisch? Kommen Normalisierung und Kostendruck? KUV zur Stabilität der Umsätze, KCV zur Cashflow-Sicht
Hohes KGV bei Wachstumstiteln Hohe Erwartungen sind im Kurs eingepreist Wie realistisch sind Prognosen? Wie hoch ist die Konkurrenzdichte? KUV bei frühen Phasen, KCV für Zahlungsströme
Negatives oder nicht sinnvolles KGV Verlustphase oder starke Sondereffekte verzerren die Kennzahl Ist der Verlust operativ oder einmalig? Wie lange reicht die Liquidität? KCV als Ersatz, KBV zur Bilanzbasis
Wechsel im Zinsumfeld Bewertungsniveau passt sich über Renditevergleich an Wie verändern sich Finanzierungskosten und Risikoaufschläge? KGV im Zeitverlauf plus KBV für Verschuldungsdruck

Fazit

Das KGV ist eine leicht verständliche Kennzahl der Fundamentalanalyse. Es zeigt das Verhältnis vom Aktienkurs zum Gewinn je Aktie. So erkennt man schnell, wie stark Gewinne im Kurs enthalten sind.

Für belastbare Erkenntnisse muss man das KGV vergleichen. Es wird erst im Kontext sinnvoll, etwa mit der Peer-Group oder Branche. Auch Marktphase und Gesamtmarkt sollten berücksichtigt werden.

Die Datenbasis ist ebenso wichtig. Man unterscheidet historisches KGV aus vergangenen Gewinnen vom Forward-KGV mit Prognosen. Nur so bleibt die Bewertung aussagekräftig und vergleichbar.

Das KGV hat klare Grenzen bei Verlusten oder Einmaleffekten. Dann kann es die Realität verzerrt darstellen. Deshalb ist es wichtig zu prüfen, wie das EPS berechnet und bereinigt wurde.

Für Entscheidungen hilft ein Mix aus Kennzahlen. Das KGV ergänzt sich mit KBV, KUV und dem Cashflow über KCV. Außerdem sollte man das aktuelle Zinsumfeld im Renditevergleich berücksichtigen.

Wer Informationen aus Kommentaren nutzt, sollte Aussagen zum KGV überprüfen. Dabei sind Quelle, Zeitraum und zugrundeliegende Annahmen entscheidend. So entstehen fundierte Urteile für die Börse Deutschland.

FAQ

Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – und was bedeutet die Abkürzung?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine wichtige Kennzahl aus der Aktienanalyse und Fundamentalanalyse. Es entspricht der Price-to-Earnings-Ratio (P/E) oder PER. Dabei wird der Börsenkurs einer Aktie ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie (EPS) gesetzt.

Was misst das KGV an der Börse konkret?

Das KGV zeigt, wie oft der Gewinn je Aktie im aktuellen Kurs enthalten ist. Anders gesagt beschreibt es, wie viele Jahre Gewinne es braucht, um den Aktienpreis zu decken.Das KGV ist eine Bewertungsrelation. Es gibt keine Prognose über künftige Gewinne ab.

Warum ist das KGV für Anleger in Deutschland und Österreich so verbreitet?

Das KGV ist schnell verständlich und erscheint als Standardmaß in Finanzportalen, Börsenlexika und Analystenkommentaren. Wer sich mit ETFs, Fonds oder Einzelaktien beschäftigt, trifft oft darauf.Es gehört zu grundlegenden Börse-Wissen und Investment-Erklärungen in Deutschland und Österreich.

Wie lautet die Definition des KGV in einer Formel?

A: KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie (EPS). Das EPS ergibt sich aus dem Jahresüberschuss geteilt durch die Zahl der ausstehenden Aktien. Wichtig ist, welcher Gewinnbegriff verwendet wird – denn das beeinflusst die Vergleichbarkeit.

Wie wird der Gewinn je Aktie (EPS) in der Praxis ermittelt?

Das EPS ergibt sich aus dem Jahresüberschuss geteilt durch die Anzahl der ausstehenden Aktien. Die EPS-Angaben unterscheiden sich je nach Rechnungslegung und Bereinigungen.Besondere Effekte wie Restrukturierungen oder steuerliche Einflüsse werden manchmal rausgerechnet. Deshalb sollte die Datenbasis mitgelesen werden.

Können Sie ein einfaches Zahlenbeispiel für das KGV geben?

Ja. Liegt der Kurs bei 50 Euro und der Gewinn je Aktie bei 4 Euro, ergibt sich KGV = 50/4 = 12,5. Das heißt: Der Markt bewertet die Aktie mit dem 12,5-Fachen des letzten Jahresgewinns je Aktie.

Warum kann ein KGV sinken, obwohl der Kurs gleich bleibt?

Wenn die Gewinnerwartung steigt, sinkt das KGV bei gleichbleibendem Kurs. Beispiel: Kurs 50 Euro, erwartetes EPS 5 Euro – dann ist das (Forward-)KGV 10.Hier spiegelt die Kennzahl die Markterwartung stärker wider als die Vergangenheit.

Was ist der Unterschied zwischen historischem KGV und Forward-KGV (KGVe)?

Das historische KGV nutzt den tatsächlich erzielten Gewinn eines abgeschlossenen Geschäftsjahres. Das Forward-KGV oder KGVe („e“ für erwartet) rechnet mit prognostizierten Gewinnen für das laufende oder kommende Jahr.Beide Werte sind sinnvoll, drücken aber unterschiedliche Zeiträume aus.

Wie lässt sich das KGV über Marktkapitalisierung berechnen?

Eine Alternative ist: KGV = Marktkapitalisierung / Gesamtgewinn. Diese Methode ist praktisch beim Blick auf das gesamte Unternehmen oder aggregierte Marktdaten für Branchen oder den Gesamtmarkt.

Was ist das Shiller-KGV (CAPE) – und wozu wird es genutzt?

Das Shiller-KGV (CAPE) nutzt den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der letzten zehn Jahre. So werden starke Gewinnschwankungen geglättet.Robert J. Shiller verwendet es für langfristige Einschätzungen in der Asset Allocation und zur Analyse von Überbewertungen. Zusätzlich gibt es den „Excess CAPE Yield“, der das Zinsumfeld einbezieht.

Was ist die Gewinnrendite – und wie hängt sie mit dem KGV zusammen?

Die Gewinnrendite ist der Kehrwert des KGV: Gewinnrendite = 1/KGV oder EPS/Kurs. Sie bietet eine „Rendite“-Perspektive auf den Gewinn.So lässt sich die Bewertung besser mit Zinsen vergleichen. Dabei sind mögliche Risikoaufschläge zu beachten.

Ist ein niedriges KGV automatisch ein Schnäppchen?

Nicht zwangsläufig. Ein niedriges KGV kann auf Unterbewertung hindeuten. Es kann aber auch Warnzeichen sein, wenn der Markt sinkende Gewinne oder strukturelle Probleme erwartet.Wichtig ist, die Ursache hinter der Zahl zu kennen.

Bedeutet ein hohes KGV immer, dass eine Aktie zu teuer ist?

Ein hohes KGV ist oft typisch für Wachstumswerte. Dort rechnen Anleger mit stark steigenden Gewinnen. Bleibt das Wachstum aus, drohen Kurskorrekturen.Zudem schwanken KGVs mit den Marktphasen: In Bullenmärkten steigen sie, in Bärenmärkten sinken sie.

Warum taugt das KGV ohne Vergleich oft wenig?

Begriffe wie „günstig“ oder „teuer“ bekommen erst im Kontext Sinn. Anleger vergleichen KGVs mit der Peer-Group, dem Branchenwert und langfristigen Durchschnitten.Zusätzlich blicken sie auf die Gewinnentwicklung. Ohne Referenz bleibt die Einordnung unklar.

Welche Branchen haben typischerweise höhere oder niedrigere KGVs?

Technologie- und Wachstumssektoren zeigen oft höhere KGVs, weil Gewinne erst später stark steigen sollen oder aktuell noch niedrig sind. Stabilere Bereiche wie Versorger oder Banken liegen meist niedriger.Das ist eine Branchenlogik, kein Qualitätsurteil.

Was passiert mit dem KGV, wenn ein Unternehmen Verluste macht?

Bei Verlusten ist der Gewinn negativ – das KGV wird negativ oder ist kaum interpretierbar. Es wird teilweise gar nicht ausgewiesen.In solchen Fällen ziehen Anleger oft cashflow-basierte Kennzahlen wie KCV/KCF heran oder prüfen Umsatz- und Bilanzkennzahlen.

Wie können Sondereffekte oder Bilanzspielräume das KGV verzerren?

Einmalige Gewinne, Verluste, Steuereffekte und bilanzielle Spielräume beeinflussen den ausgewiesenen Gewinn stark. Dadurch kann ein KGV „billig“ oder „teuer“ wirken, obwohl sich die operative Lage kaum verändert hat.Eine zusätzliche Cashflow-Analyse verbessert meist die Einordnung.

Was bildet das KGV nicht ab – und welche Kennzahlen ergänzen es sinnvoll?

Das KGV berücksichtigt weder Schulden noch Bilanzqualität. Zur Ergänzung werden oft KBV (Buchwert/Substanz), KUV (Umsatz), KCV/KCF (Cashflow) sowie Dividendenrendite, EBITDA-Multiples oder Eigenkapitalrendite herangezogen.

Wie beeinflusst das Zinsumfeld die KGVs am Aktienmarkt?

Das Zinsniveau wirkt über Renditevergleiche zwischen Anlageklassen: Sinkende Leitzinsen führen häufig zu höheren Bewertungen, also steigenden KGVs. Steigende Zinsen drücken KGVs dagegen tendenziell.Zudem beeinflussen Zinsen die Fremdkapitalkosten und damit die Gewinne.

Welche historischen KGV-Spannen gelten als grobe Orientierung – etwa beim DAX?

In den 1970er/1980er Jahren galten KGVs um 8 oft als „billig“ und um 15 als „teuer“. Seit den 1990ern liegen Werte meist zwischen 12 und 25.Für DAX-Werte wird ein Durchschnitt von 14,6 genannt, 2008 sogar teils unter 10. Solche Zeitreihen helfen bei der Einordnung, ersetzen aber nicht den Branchen- und Unternehmensvergleich.

Worauf sollten Anleger achten, wenn in Börsenkommentaren ein KGV genannt wird?

Wichtig ist die Datenbasis: Handelt es sich um historisches KGV oder KGVe? Welche EPS-Definition wurde genutzt, sind Sondereffekte bereinigt? Anleger sollten die Gewinnbegriffe prüfen.KGV-Aussagen sind nur aussagekräftig, wenn die Herleitung klar ist.
Tags: börsebörsenbegriffebörsenwikibörsenwissen
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Marc

Marc

Marc ist Finanzredakteur mit Schwerpunkt Kapitalmärkte, Unternehmensanalyse und wirtschaftspolitische Entwicklungen. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Börsenmechanismen, Bewertungsmodellen und makroökonomischen Zusammenhängen und legt besonderen Wert auf eine sachliche, faktenbasierte Einordnung. Seine Beiträge im Finanz-Journal verbinden analytische Tiefe mit klarer Sprache. Komplexe Finanz- und Rechtsthemen bereitet er strukturiert auf – mit dem Ziel, Leserinnen und Leser in die Lage zu versetzen, wirtschaftliche Entwicklungen eigenständig zu bewerten und fundierte Entscheidungen zu treffen.

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