An der Börse zählt nicht nur der Schnellste, sondern auch der Klügste. Aktienscreening ist ein wesentlicher Bestandteil, der den Markt sortiert und eine klare Basis für die Auswahl schafft. So handeln Anleger nicht mehr aus dem Bauch, sondern nach einem durchdachten Plan.
Viele Anleger scheitern nicht an Wissensdefiziten, sondern an der Überflutung mit Informationen. Es gibt weltweit Tausende von Aktien, dazu kommen zahlreiche Nachrichten, Kennzahlen und Charts. Aktienscreening vereinfacht dies, indem es eine überschaubare Liste erstellt. Dadurch werden spontane, aus Ungeduld heraus getätigte Trades vermieden.
Das Prinzip von Aktienscreening ist einfach: Es liefert potenzielle Kandidaten, nicht die endgültige Entscheidung. Der Handelsplan entscheidet dann, ob ein Wert gekauft wird. Dabei werden Risikomanagement und Chance-Risiko-Verhältnisse berücksichtigt. So entsteht eine solide Watchlist, die spontane Käufe im Tagesrauschen vermeidet.
Der Fokus liegt auf Aktienmärkten, da diese für Privatanleger in Deutschland klarer strukturiert sind. Sie haben festgelegte Handelszeiten und eine gute Datenlage. Im Vergleich zu Rohstoffen oder Forex bietet Aktienscreening für den Einstieg oft einen schnelleren Überblick.
Ein Blick zurück zeigt, wie sich der Prozess entwickelt hat. Warren Buffett las in den 1950er- und 1960er-Jahren das 26.000 Seiten starke Moody’s Manual komplett. Heute erledigt ein Screener diese Vorauswahl in Sekunden. Dies macht Wissen an der Börse effektiver nutzbar.
Wichtigste Erkenntnisse
- Aktienscreening schafft Struktur und verhindert zufallsgetriebenes Handeln an der Börse.
- Screening reduziert Tausende Aktien auf eine handhabbare Shortlist.
- Eine klare Erklärung: Screening liefert Kandidaten, der Handelsplan entscheidet über den Trade.
- Risk- und Moneymanagement gehören dazu – etwa Stop-Loss und Chance-Risiko-Verhältnis.
- Für Privatanleger in Deutschland sind Aktienmärkte oft leichter zu screenen als Forex oder Rohstoffe.
- Moderne Screener machen Wissen schneller nutzbar, als es früher mit Nachschlagewerken möglich war.
Definition und Erklärung: Was ist Aktienscreening?
Aktienscreening ist eine systematische Methode, um Aktien zu finden, die bestimmte Kriterien erfüllen. Es nutzt Daten und Kurse, um eine geordnete Auswahl zu erstellen. Für Anleger in Deutschland ist es ein wichtiger Schritt, um Zeit zu sparen und den Überblick zu behalten.
Der Begriff „Screening“ bedeutet im Grunde das Beobachten und Prüfen. Es ist ähnlich wie ein Aussieben. Ein Filter zeigt nur die Aktien, die zu den eigenen Kriterien passen.
Durch Aktienscreening entsteht eine Shortlist aus Tausenden Titeln. Diese Liste dient als Grundlage für weitere Prüfungen. Anleger legen so eine Watchlist an und planen Timing und Risiko separat.
Beim technischen Aktienscreening steht der Chart im Mittelpunkt. Man sucht nach Kursmuster und Trendlinien. Unterstützungen und Widerstände bieten klare Zonen für mögliche Szenarien.
Viele Screener nutzen zusätzlich Indikatoren. Gleitende Durchschnitte und die 200‑Tage‑Linie helfen, den Trend zu analysieren. RSI und MACD messen Tempo und Richtungswechsel.
| Baustein im Screener | Worauf wird gefiltert? | Wofür ist es im Alltag nützlich? |
|---|---|---|
| Gleitende Durchschnitte | Kurs über/unter 200‑Tage‑Linie, Steigung der Linie | Trendqualität grob prüfen, Seitwärtsphasen schneller erkennen |
| RSI | Stärke/Schwäche über Schwellen, z. B. 30/70 | Überdehnung sichtbar machen, Pullbacks besser einordnen |
| MACD | Kreuzungen, Histogramm-Dynamik | Trendwechsel-Impulse filtern, Momentum vergleichen |
Fundamentales Screening konzentriert sich auf Daten wie Bewertung und Wachstum. Das Ziel ist eine Auswahl, die zur Strategie passt. Es geht um Value, Growth, Quality oder Dividende.
In der Praxis laufen technisches und fundamentales Screening oft parallel. Man kann zuerst nach Kennzahlen sortieren und dann den Chart prüfen. Oder umgekehrt. Wichtig ist, dass Kriterien klar sind und die Ergebnisse überschaubar bleiben.
Die Börse in Deutschland ist von Alltag geprägt. Handelszeiten und Liquidität bestimmen, wie gut sich Ideen umsetzen lassen. Viele Privatanleger konzentrieren sich auf liquide Märkte in Europa und den USA. In Österreich liegt der Fokus oft auf heimischen Werten und den Zugang über gängige Broker.
Aktienscreening im Trading-Alltag: So läuft der Prozess ab
Im Alltag der Börse ist die Reihenfolge entscheidend. Ein effizientes Aktienscreening spart Zeit und vermeidet impulsives Handeln. Der Prozess beginnt daher nicht bei einzelnen Aktien, sondern bei den Märkten.
Ein festes Verständnis dieses Ablaufs baut wertvolles Wissen auf. Dies ist besonders für Anleger in Deutschland und Österreich nützlich. Es passt gut zum Tagesrhythmus und den Handelszeiten großer Märkte.
Vom Index zur Aktie: Indizes vergleichen und den stärksten Markt auswählen
Top-down bedeutet, zuerst die Indizes zu prüfen, dann die besten Titel darin zu suchen. Die Performance der letzten Tage, die Distanz zum Allzeithoch und die Lage zur 200‑Tage‑Linie werden verglichen. Ein Trendbruch führt schnell zu einem Marktverlust.
Viele Trader nutzen ein 6‑Phasen‑Modell als Ampel. Nur klar definierte Zustände gelten als handelbar. So trennt das Aktienscreening früh zwischen „interessant“ und „später“.
Beispiele gängiger Indizes: NASDAQ 100, S&P 500 und DAX 40
In der Praxis landen oft NASDAQ 100, S&P 500 und DAX 40 auf dem Startbildschirm. Diese Indizes sind groß, liquide und liefern verlässliche Kursdaten. Ihre Handelszeiten passen gut in den deutschen Alltag, im Gegensatz zu vielen asiatischen Märkten.
| Index | Warum er im Screening oft genutzt wird | Was im Alltag besonders zählt |
|---|---|---|
| NASDAQ 100 | Hohe Liquidität, viele wachstumsstarke Werte, klare Trends | Starke Bewegung an US‑Tagen; Timing rund um US‑Eröffnung wichtig |
| S&P 500 | Breiter Markt, gute „Gesundheits“-Messung der US‑Börse | Stabiler Referenzrahmen für Risiko; hilft bei der Marktampel |
| DAX 40 | Direkter Bezug zum deutschen Handel, hohe Aufmerksamkeit, klare News-Lage | Reagiert oft schnell auf Europa‑Daten; morgens gut screenbar |
Rhythmus und Routine: Screening ein- bis zweimal pro Woche statt „Dauer-Scannen“
Ein fester Termin ist besser als permanentes Beobachten. Ein- bis zweimal pro Woche reicht oft, um Chancen zu sehen. Das reduziert den Druck, „etwas machen zu müssen“, nur weil der Markt gerade läuft.
Gerade weil 70–80% der Trader laut vielen Broker-Statistiken nicht dauerhaft erfolgreich sind, lohnt Disziplin. Häufige Gründe sind fehlender Plan und eine schwache Vorauswahl. Im Trading-Prozess wirkt Screening wie ein Qualitätstest, bevor Geld riskiert wird.
Chart-Check je Wert: Trendstärke, Distanz zur 200-Tage-Linie, Nähe zum Allzeithoch
Nach dem Index kommt der Einzelwert-Check – mit denselben Maßstäben. Gesucht werden saubere Trends, ein gesunder Abstand zur 200‑Tage‑Linie und Nähe zum Allzeithoch. Je klarer das Bild, desto schneller geht die Auswahl.
Mit Erfahrung entsteht eine Art Blickdiagnose. Das ist kein Bauchgefühl, sondern verdichtetes Wissen aus vielen Wiederholungen. Das Aktienscreening bleibt damit handwerklich, nicht zufällig.
Watchlist statt Sofortkauf: A-Aktien begrenzen und mit Alarmen arbeiten
Nach dem Screening folgt kein Sofortkauf. Die besten Kandidaten kommen auf eine kleine Watchlist, oft 10 bis 15 A‑Aktien. Alarme helfen, Kurszonen zu beobachten, ohne ständig auf den Chart zu starren.
Diese Begrenzung schützt vor Overtrading. Sie nimmt Angst und Gier Druck aus dem System, weil Entscheidungen an Regeln hängen – nicht an der Laune des Tages. Für Anleger in Österreich funktioniert das genauso, weil die Logik unabhängig vom Depotanbieter bleibt.
Timing erst nach dem Screening: Einstiegs-Setups über Tages- und Stundenchart ableiten
Das Timing kommt zuletzt. Erst wenn ein Setup entsteht, wird aus Beobachtung ein Plan – etwa ein Einstieg nach einem neuen „Punkt 2“ oder nach einer Korrektur in einem intakten Trend. Häufig wechselt der Blick vom Tageschart in den Stundenchart, um den Einstieg enger zu fassen.
So bleibt der Ablauf klar: Börse zuerst als Markt lesen, dann Titel auswählen, dann das Setup warten lassen. Das schafft Ruhe im Trading-Prozess und macht Aktienscreening zu einem wiederholbaren Werkzeug statt zu einem Ratespiel.
Werkzeuge, Filter und Kriterien: Aktienscreener sinnvoll nutzen
Effektives Aktienscreening beginnt mit klaren Kriterien. Es geht darum, zu definieren, was auf der Watchlist verbleiben soll. Wer seine Kriterien klar definiert, spart Zeit und vermeidet Fehlalarme. Am Börsenmarkt zählt nicht die Anzahl der Treffer, sondern die Qualität der Auswahl.
Ein Aktienscreener muss nicht immer ein teures Tool sein. Viele nutzen eine einfache Oberfläche mit einer großen Werteliste und klaren Chart-Darstellungen. Der Webtrader von GKFX bietet Zugang zu über 300 Aktien und ermöglicht kommissionsfreien Handel. Dies kann die Arbeit beim Screening beschleunigen.
Plattformwahl: schnelle Bedienung, viele Basiswerte, passende Zeiteinheiten
Im Alltag arbeitet man oft mit Tagescharts. Eine Kerze repräsentiert einen Tag, Trends sind klarer, Rauschen weniger. Für Intraday-Handel sind kleinere Zeiteinheiten nötig, um früh zu handeln. Ein guter Aktienscreener ermöglicht schnelles Durchlaufen vieler Werte ohne Wartezeiten.
Setup vorab festlegen: wonach du im Chart überhaupt suchst
Bevor man ein Tool nutzt, muss man wissen, was man sucht. Ohne klare Erklärung des Musters wird Screening sinnlos. Ein Beispiel für eine Short-Idee ist ein intakter Abwärtstrend mit kurzer Korrektur und dann Bewegung in Trendrichtung. Der Einstieg kann am „letzten Punkt 2“ erfolgen, wo oft Stop-Orders von Long-Tradern liegen.
Die Praxis ist einfach: Werte nacheinander öffnen, Chart prüfen und Unpassendes sofort aussortieren. Passende Kandidaten kommen in eine Watchlist oder Cloud-Liste und erhalten Alarme. Nach einigen Tagen wird die Liste überprüft und gegebenenfalls angepasst.
Filtern nach Region, Branche und Marktkapitalisierung: Fokus statt Datenflut
Strukturelle Filter geben dem Aktienscreening eine Richtung. Viele setzen auf Filter nach Region, wie nur USA, um Vergleichbarkeit zu erhöhen. Andere screenen international, um Chancen außerhalb einer Region zu finden. Branchenfilter helfen, Risiken zu minimieren, indem man beispielsweise Energie oder Biotechnologie ausschließt.
Die Marktkapitalisierung dient als grober Risikoregler. Large Caps sind meist stabiler, Small Caps beweglicher. Ein einfacher Profitabilitätsfilter (z. B. Nettomarge > 0 %) verhindert, dass unprofitable Sonderfälle die Liste dominieren.
Richtwerte für Ergebnisse: warum 10–50 Treffer oft praktikabler sind als 100+
Als Arbeitsbereich gelten oft 10 bis 50 Treffer je Durchlauf. Unter 10 fehlt Auswahl, über 100 wird es zu zeitintensiv. Der Aktienscreener soll vorfiltern, nicht neue Überforderung erzeugen.
Small- und Micro-Caps: typische Grenzwerte und was sie für die Trefferliste bedeuten
Small Caps werden oft unter 2 Mrd. US‑Dollar Marktkapitalisierung eingeordnet, Micro Caps unter 250 Mio. US‑Dollar. In diesem Bereich ist die Analystenabdeckung oft dünner, Fehlbewertungen kommen eher vor. Wer hier an der Börse sucht, braucht extra Wissen zu Liquidität, Spreads und Nachrichtenlage.
Typische Kennzahlen im fundamentalen Screening: Bewertung, Wachstum, Rentabilität, Dividende
Fundamentale Filter ergänzen den Chart und geben der Erklärung hinter dem Kurs eine Basis. Typische Bausteine sind Bewertung (Forward P/E, EV/EBIT), Wachstum (erwartetes EPS‑ oder Umsatzwachstum), Rentabilität (ROIC/ROCE, Margen) und Dividende (Rendite, Ausschüttungsquote). Tools wie TIKR werden als Research-Unterstützung genutzt, weil sie Daten zu über 100.000 Aktien abdecken und benutzerdefinierte Screens erlauben.
| Screening-Ansatz | Typische Filter (Beispiele) | Wofür es im Aktienscreening oft genutzt wird |
|---|---|---|
| Greenblatt-inspiriert | Hoher ROIC + niedrige Bewertung (EV/EBIT) | Qualitätsunternehmen zu moderaten Preisen finden |
| GARP nach Peter Lynch | Erwartetes EPS‑Wachstum ≈ 20 % + ROCE ≈ 20 % + Forward P/E < 20 | Wachstum mit Bewertungsdisziplin verbinden |
| Qualitätswachstum | Umsatzwachstum > 25 % p. a. + steigende Bruttomargen + mehr Cash als Schulden + Forward P/E < 40 | Strukturelle Gewinner mit belastbarer Bilanz prüfen |
| „Angeschlagene“ Aktien | Kursrückgang > 30 % (12 Monate) + erwartetes Umsatzwachstum + steigende EBITDA‑Marge | Turnaround-Kandidaten systematisch eingrenzen |
| Dividendenfokus | Dividendenrendite > 7 % + Ausschüttungsquote ≤ 70 % (alternativ 3–5 % konservativer) | Einkommensstrategien filtern, Kürzungsrisiken im Blick behalten |
| Deep Value / Net-Net nach Ben Graham | Kurs < 20 % des Buchwerts + Verschuldung/EBITDA < 3x; oder Nettoumlaufvermögen < 70 % der Marktkapitalisierung + Umsatz und EPS in 3 Jahren gewachsen | Sehr günstige Titel identifizieren, die weitere Prüfung verdienen |
Fazit
Aktienscreening transformiert eine breite Marktübersicht in eine sorgfältig ausgewählte Liste. An der Börse zählt nicht die Vielzahl an Ideen, sondern die klare Reihenfolge im Prozess. Dies führt uns zu einem zentralen Punkt: Mit festen Regeln wird das Handeln planbar. Spontane Trades verlieren an Bedeutung.
Wer sein Setup klar definiert, prüft Indizes und Einzelwerte nach klaren Chartkriterien. Dazu zählen Trendstärke, Abstand zur 200-Tage-Linie und die Position zum Allzeithoch. Das Wissen wird greifbar, wenn Treffer in einer kurzen Watchlist landen. So vermeidet man endlose Listen ohne Priorität.
In Deutschland ist Routine entscheidend: Ein- bis zweimal pro Woche screenen, nicht permanent suchen. Dies wirkt wie ein Kontrollmechanismus gegen Übertrading und senkt den Aktionismus. Aktienscreening wird so zum festen Bestandteil im Trading-Alltag, nicht zur Dauerbeschäftigung.
Je nach Stil kann Fundamentales dazu kommen: Technische Selektion kann bewusst ohne KGV arbeiten. Kennzahlen zu Bewertung, Wachstum, Rentabilität und Dividende schärfen die Liste. Small- und Micro-Caps bieten Chancen bei geringer Analystenabdeckung, bringen aber oft stärkere Schwankungen mit. Eine vertiefte Prüfung bleibt Pflicht.
Wer ernsthaft vorgehen will, fixiert den Handelsplan schriftlich. Dazu gehören Screening-Regeln, Einstiegs- und Ausstiegslogik, Stop-Loss sowie Chance-Risiko-Verhältnis. Erst dann lohnt mehr Automatisierung.
